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Futterleguminosen-Gemenge mit Spitzwegerich für mehr Klimaresilienz und N-Effizienz

In einem Versuch in Sachsen wurde der Gemengeanbau von Rotklee mit Spitzwegerich hinsichtlich Ertragsleistung, symbiotischer N2-Fixierung, Nmin-Vorrat im Boden sowie Vorfruchtwert zu Winterweizen und N-Auswaschung untersucht. Auf tiefgründigem Standort erwiesen sich die Gemenge mit Spitzwegerich vor allem im Sommer ertragsstärker. Sie führten zu einer höheren N2-Fixierleistung, geringen N-Auswaschung und höherem Vorfruchtwert zu Weizen.
Empfehlungen für die Praxis
Spitzwegerich ist gut geeignet im Futterleguminosenbau
Sowohl im Gemenge mit Rotklee als auch mit Luzerne erwies sich Spitzwegerich als sehr gut geeignet. Er läuft nach der Saat rasch auf, ist konkurrenzstark gegenüber Gemengepartnern, lässt sich gut über Schnitt zur Frischverfütterung und Silagebereitung nutzen und ist trockentolerant. Wiederkäuer nehmen Spitzwegerich gerne auf und zeigten gute Leistungen nach dessen Verfütterung. Zusätzlich fördert Spitzwegerich als Futter die Gesundheit von Wiederkäuern. Im Grünland trug Spitzwegerich zudem zu einer deutlichen Minderung der Emission von Lachgas bei – einem klimarelevanten Spurengas.
Saattermin und Saatstärke von Spitzwegerich im Gemenge
Spitzwegerich sollte bei Blanksaat möglichst im August gesät werden. Wegen seiner geringen Saatgutgröße muss er flach, das heißt 0,5 bis maximal 1,5 cm tief wie Rotklee gesät werden. Höchste Ertragsleistungen eines Gemenges aus Rotklee und Spitzwegerich ließen sich mit Saatanteilen von Rotklee in Höhe von etwa 70 bis 80 Prozent der Reinsaatstärke (8 bis 12 kg/ha) und 20 bis 30 Prozent der Reinsaatstärke des Spitzwegerichs (entsprechend 800 g bis 1000 g/ha) erzielen.
Hinweise zu Nutzung und Umbruch von Futterbeständen mit Spitzwegerich
Spitzwegerich führte im Gemengebau mit Rotklee zu höheren N2-Fixierleistungen, nach Umbruch zu geringeren Nitratausträgen unter Weizen und zu höheren Kornerträgen des nachgebauten Winterweizens. Im Vergleich zu Welschem Weidelgras verringerte Spitzwegerich den Nitratvorrat im Unterboden stärker und hemmte zugleich die Nitratfreisetzung im Boden. Stickstoff kann deshalb durch Integration von Spitzwegerich im legumen Feldfutterbau effizienter genutzt werden.
Spitzwegerich – eine biologische Innovation im legumen Feldfutterbau: Höhere Ertragsleistungen in Trockenperioden, geringere N-Verluste und schmackhaftes, gesundes Futter für Wiederkäuer“, Kurt Schmidtke, HTW Dresden
Informationen zum Projekt
Trockenheit im Sommer führt in Anbausystemen mit Leguminosen häufig zu Ertragseinbußen und N-Verlusten durch Auswaschung nach Umbruch. Um diese Effekte zu vermeiden, wurde erstmals das Leistungsvermögen von Spitzwegerich als Gemengepartner zu Rotklee im Vergleich zu Welschem Weidelgras in Feldversuchen geprüft. Es sollte überprüft werden, inwieweit sich Spitzwegerich im Gemenge bei Trockenheit im Sommer toleranter und damit ertragsstärker als Welsches Weidelgras erwies. Ferner sollte getestet werden, inwieweit die Höhe der symbiotisch fixierten N-Menge des Rotklees und die restliche Nmin-Menge im Boden und N-Auswaschung nach Umbruch durch Spitzwegerich im Vergleich zu Welschem Weidelgras beeinflusst werden kann.
Höhere Ertragsleistungen mit Spitzwegerich auf tiefgründigem Boden
Durch einen Gemengebau von Rotklee mit Spitzwegerich lässt sich in vielen Fällen auf tiefgründigen Böden und unter sommertrockenen Bedingungen ein Mehrertrag an Schnittgut erzielen. Grund ist das tiefreichende Wurzelsystem des Spitz-wegerichs, das nach einem Jahr bis 190 cm tief in den Boden reichte. Hierdurch kann Spitzwegerich besser als viele Gräser Wasservorräte im Unterboden nutze.
Ertragsvorteile des Spitzwegerichs auf flachgründigem Boden nicht immer zu erzielen
Auf flachgründigen, nicht tief durchwurzelbaren Böden hingegen ließen sich Ertragsvorteile durch ein Gemenge mit Spitzwegerich im Vergleich zu einem Gemenge aus Rotklee und Welschem Weidelgras nur in Ausnahmefällen erzielen.
Höhere N2-Fixierleistung und geringe N-Auswaschung
Spitzwegerich führte im Gemengebau nahezu standortunabhängig zu höheren N2-Fixierleistungen des Rotklees, nach Umbruch zu geringeren Nitratausträgen unter Weizen und zu höheren Kornerträgen des nachgebauten Winterweizens (siehe Tabelle). Im Vergleich zu Welschem Weidelgras verringerte der Spitzwegerich den Nitratvorrat im Unterboden stärker und hemmte zugleich die Nitratfreisetzung im Boden. Die im Feldversuch nachgewiesene nitrifikationshemmende Wirkung des Spitzwegerichs führt dazu, dass der Abbau organischer Stickstoffverbindungen nur bis zum Ammoniumstickstoff erfolgt. Ammonium kann im Boden im Gegensatz zu Nitrat sehr gut an beispielsweise Tonmineralen gebunden werden und wird in der Regel nicht ausgewaschen. Ammonium ist zudem pflanzenverfügbar. Davon können nachgebaute Kulturen profitieren. Die Untersuchungen haben belegt, dass durch Integration von Spitzwegerich im legumen Feldfutterbau Stickstoff effizienter genutzt werden kann. Damit ist Spitzwegerich ein herausragendes Beispiel für eine biologische Innovation in Agrarökosystemen.
M.Sc. Florian Tröber, Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden, Fachgebiet Ökologischer Landbau
Ein besonderer Dank gilt den landwirtschaftlichen Betrieben und vielen studentischen Hilfskräften sowie M.Sc. Martin Scholz für die umfassende Unterstützung des Vorhabens.
Fachgebiet Ökologischer Landbau der HTW Dresden
Pillnitzer Platz 2, 01326 Dresden
Prof. Dr. Knut Schmidtke
E-Mail: knut.schmidtkehtw-dresdende
Telefon: +49 (0) 351 / 4623017
07/2019 bis 04/2023
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Letzte Aktualisierung 25.07.2024

