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BAKWERT: Anbau von heterogenen Weizenpopulationen

Welche Leistung erbringen heterogene Weizenpopulationen und wie ertragsstabil sind sie? Und was sind die Herausforderungen bei der Korntrennung und Reinigung? Das Projekt BAKWERT gibt Antworten auf diese und weitere Fragen rund um den Anbau.
Empfehlungen für die Praxis
Weizenpopulationen überzeugen in der Praxis
Heterogene Weizenpopulationen weisen im Vergleich zu der E-Sorte Aristaro im ökologischen Landbau ein gutes Ertragspotenzial auf. Die zwei geprüften Populationen sind in der Lage, auf Standorten mit höherem Ertragspotenzial höhere und stabilere Erträge zu erzielen.
Keine Anpassung in der Kulturführung
Beim Anbau können heterogene Weizenpopulationen wie Weizenliniensorten bewirtschaftet werden. Die derzeit auf dem Markt erhältlichen heterogenen Weizenpopulationen sind eher langstrohig, was in intensiven Anbausystemen mit hohem Stickstoffeintrag zu Problemen mit der Standfestigkeit führen kann.
Vielfalt zeigt kein Problem bei der Korntrennung
Heterogene Populationen weisen im Vergleich zu Liniensorten keine größere Korngrößendifferenzierung auf. Skepsis bezüglich der Korngrößenunterschiede und daraus resultierender Schwierigkeiten ist also unbegründet.
Diversität der Populationen erforderlich
Neue Populationen werden benötigt, um der Vielfalt der Standorte und des Managements gerecht zu werden.
Winterweizenpopulationen sind eine sinnvolle Alternative zu gängigen Sorten. Und wir brauchen so viele Optionen wie möglich, denn wir wissen einfach nicht, was die Zukunft bringt.
Johannes Müller, Biolandhof Müller-Oelbke
Informationen zum Projekt
Die beiden heterogene Winterweizenpopulationen Brandex (FZ Dottenfelderhof) und EQuality (Universität Kassel, Open-SourceSeeds) wurden im Vergleich zur Liniensorte Aristaro (FZ Dottenfelderhof) On-Farm getestet. In zwei Anbaujahren (2020 bis 2022) säten neun Bio-Betriebe jede Weizenherkunft in benachbarten Streifen (mindestens 0,4 Hektar pro Herkunft) innerhalb desselben Feldes aus.
Das Ziel des Versuchs war, die agronomische Leistung und die Ertragsstabilität der beiden heterogenen Populationen im Vergleich zur Referenzsorte Aristaro zu testen. Aufgrund der hohen genetischen Diversität der Populationen wurden auch Unterschiede in der Korngröße und mögliche Herausforderungen bei der Korntrennung und Reinigung untersucht.
Kornertrag
Im Jahr 2021 reichten die Kornerträge von 4,4 Tonnen pro Hektar bei der Sorte Aristaro bis zu 5,1 Tonnen pro Hektar bei EQuality. Beide Weizenpopulationen erzielten damit deutlich höhere Erträge als die Liniensorte (siehe Tabelle).
Im Jahr 2022 erzielten sowohl Brandex (6,3 Tonnen pro Hektar) als auch EQuality (6,5 Tonnen pro Hektar) erneut höhere Erträge als die Sorte Aristaro (5,8 Tonnen pro Hektar).
Im Mittel beider Versuchsjahre erzielten EQuality (5,8t/ha) und Brandex (5,6 t/ha) deutlich höhere Erträge als Aristaro (5,1t/ha).
Die Kornerträge aller drei Weizenherkünfte, insbesondere aber der beiden Populationen Brandex und EQuality, waren ähnlich hoch wie die Durchschnittserträge der Backqualitätssorten (E-Sorten) in den ökologischen Landessortenversuchen (LSV) in Niedersachsen, Hessen und Baden-Württemberg.
| 2020/21 | 2021/22 | 202-22 | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Ertrag (t/ha) | EVi | W2 | Ertrag (t/ha) | EVi | W2 | Ertrag (t/ha) | EVi | W2 | ||
| Aristaro | 4,41 | 1,06 | 2,7 | 5,8 | 1,23 | 3,3 | 5,1 | 1,58 | 6,0 | |
| Brandex | 4,9 | 1,07 | 0,9 | 6,3 | 2,11 | 0,8 | 5,6 | 2,04 | 1,7 | |
| EQuality | 5,1 | 1,1 | 1,0 | 6,5 | 2,22 | 1,9 | 5,8 | 2,07 | 2,9 | |
| NI | 4,2 | 5,2 | 4,7 | |||||||
| HE | 4,9 | 6,4 | 5,65 | |||||||
| BW | 4,8 | 5,2 | 5 | |||||||
| Mittlere Kornerträge und die Stabilitätskennzahlen (EVi und W2). (NI: Niedersachsen; HE: Hessen; BW: Baden-Württemberg) | ||||||||||
Ertragsstabilität
Bei der Analyse der 18 Umwelten im Projekt (9 Betriebe mal 2 Jahre) zeigte die Sorte Aristaro eine überlegene statische Stabilität (Umweltvarianz – EVi), während die Population Brandex gefolgt von EQuality eine höhere dynamische Stabilität (Ökovalenz – W2) zeigte (siehe Tabelle).
Um herauszufinden, ob signifikante Unterschiede in den Korngrößen der Liniensorte und der beiden heterogenen Weizenpopulationen bestehen, wurden über 27.000 Körner jeder Weizenherkunft untersucht. Für eine Größensortierung der Körner wurden auf dem Hof oder in der Mühle Siebe mit unterschiedlich breiten Schlitzen verwendet. In der Regel wird eine Breite von 2,0 bis 2,5 mm verwendet, um die kleinsten Getreidekörner auszusortieren. Körner, die kleiner als 2,0 oder 2,5 mm in der Breite oder Länge sind, fallen durch die Siebe und gelten als Reinigungsverlust.
Die Einzelkornuntersuchungen ergaben, dass sich die Vergleichssorte Aristaro und die beiden Populationen nicht in der Anzahl der Korngrößenklassen unterscheiden, jedoch in der Verteilung über die sieben Größenklassen. Die beiden heterogenen Weizenpopulationen Brandex und EQuality hatten weniger kleine Körner und mehr große Körner als die Sorte Aristaro. Das zeigte sich in beiden Anbaujahren auch in den höheren Tausendkorngewichten von Brandex und EQuality (siehe Abbildung).
Zum Abschlussbericht des Projekts
Weitere Informationen unter:
- Dr. Torsten Siegmeier (Projektleitung) und Dr. Odette Weedon, Universität Kassel, Fachgebiet Betriebswirtschaft und Fachgebiet Ökologischer Pflanzenschutz, Witzenhausen
- M.Sc. Annette Haak, Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg (KÖLBW), Emmendingen-Hochburg
- Anke Kähler, Bäckermeisterin, Die Freien Bäcker e.V., Barsinghausen
Universität Kassel, Fachgebiet Ökologischer Pflanzenschutz
Nordbahnhofstr. 1a, Witzenhausen, 37213
Odette Weedon
E-Mail: odetteweedonuni-kasselde
Telefon +49 (0)5542 981-572
Projektlaufzeit: 05/2020 – 10/2023
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 30.04.2024
