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Alternative Düngestrategien im ökologischen Tafelobstanbau

Im DOMINO-Projekt wurden Düngestrategien mit externen organischen Stoffen (Biogasgärreste, Kompost) und Leguminosen (Kleegras-Pellets und -Silage, Sommer- und Wintererbsen-Dichtsaat im Baumstreifen) im Feldversuch untersucht und zum Teil auf Öko-Betrieben getestet. Auf den Betrieben wurden Nährstoffflüsse durch Biomasseschnitte von der Fahrgasse in den Baumstreifen analysiert. Interviews mit Obstbäuerinnen und Obstbauern ermöglichten die Berechnung von Feldbilanzen. Abschließend wurden die Projekt-Ergebnisse mit Praktikerinnen und Praktikern in Workshops diskutiert.
Empfehlungen für die Praxis
Alternative Düngemittel
- Hohe N-Verfügbarkeit durch Düngung mit Erbsen-Dichtsaat und Gärresten
- Erbsen-Dichtsaat kann im Herbst (Anfang-Mitte Oktober) oder Frühjahr ausgesät werden
- Schnelle N-Mineralisation bei flüssigen Düngemitteln wie Gärresten und Vinasse
- Kleegras-Dünger und Kompost zeigten eine langsamere und geringere N-Mineralisation
- Kleegras-Silage wegen langsamerer Mineralisation im zeitigen Frühjahr ausbringen
- Unterschiedliche Gesamtnährstoffgehalte beachten
Fahrgassenmanagement
- Biomasse nur zum Zeitpunkt des höchsten Nährstoffbedarfs in den Baumstreifen überführen und bei der Düngebedarfsermittlung berücksichtigen
- Ziele wie Bodenbedeckung oder Zufuhr organischer Substanz müssen gegen den im Sommer eher unerwünschten Düngeeffekt abgewogen werden
- Moderne Mulchgeräte mit seitlicher Auswurf-Schnecke überführen höhere Mengen an Biomasse in den Baumstreifen als Scheren-Mulchgeräte
Alternative Düngestrategien können den Zukauf von Handelsdüngern ersetzen. Der Nährstoffbedarf kann im ökologischen Tafelobstanbau durch regional verfügbare Düngemittel gedeckt werden.
Sascha Buchleither, Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee
Informationen zum Projekt
Das Projekt war Teil des Core-Organic Cofund-Projektes "DOMINO", das zum Ziel hatte, die Nachhaltigkeit von ökologischen Obstbausystemen zu erhöhen. Die Düngung im Öko-Obstbau stützt sich stark auf externe organische Handelsdünger, die in Mitteleuropa hauptsächlich aus konventionellen Quellen stammen (zum Beispiel Horngrieß, Vinasse). Solche Düngemittel sind derzeit umstritten, da es zu Nährstoffflüssen aus konventionellen in ökologische Anbausysteme kommt. Wie die Nährstoffbilanzen der Obstbaubetriebe zeigen, führen die derzeitigen Düngestrategien zu mäßigen Nährstoffungleichgewichten in den Obstanlagen.
Im Rahmen des Projekts wurden alternative, regional verfügbare Düngemittel auf ihre Anwendbarkeit im ökologischen Tafelobstanbau getestet.
Nährstoffbilanzen auf Betrieben
In den Feldbilanzen ökologischer Apfelanlagen zeigten sich Nährstoffungleichgewichte mit positiver Bilanz für Stickstoff, Phosphor, Calcium, Magnesium, Natrium und Chor N, P, Ca, Mg, S, Na und Cl. Bei S resultierten die größten Einträge aus Pflanzenschutzmitteln und nicht aus Düngemitteln. Die Zufuhr von Ca und Mg erfolgte größtenteils aus Grund- düngern (z. B. Kompost, Mist). Die K-Bilanz fiel negativ aus.
Alternative Düngestrategien
Biogasgärreste, Kompost, Kleegras-Pellets, Kleegras-Silage und Erbsendichtsaat im Baumstreifen (Herbst- und Frühjahrsaussaat) wurden getestet und mit Horngrieß, Vinasse und einer ungedüngten Kontrollvariante verglichen.
- Im Ertrag bestanden im 3-jährigen Versuchszeitraum keine signifikanten Unterschiede.
- Mit keinem der untersuchten Düngemittel wurde eine ausgeglichene Nährstoffbilanz erreicht, für Kalium wurde das höchste Defizit festgestellt.
- Gärreste führten aufgrund des höchsten Kalium-Gehalts und einem ausgewogenen N/P-Verhältnis zur ausgeglichensten Bilanz.
- Alle Düngemittel können mit betriebsüblicher Technik ausgebracht werden. Silage kann gehäckselt werden, um die Einarbeitung zu erleichtern.
- Gärreste, Vinasse und Erbsen brachten im Frühjahr eine rasche Stickstoff-Mineralisierung.
- Die höchste Stickstoff-Mineralisierung lieferte die Wintererbsen-Dichtsaat.
- Silage-Düngung führte zur geringsten Mineralisierung. Diese konnte durch eine frühere Ausbringung (März statt April) erhöht werden.
Management des Fahrgassenaufwuchses
- Gezielte Etablierung von Klee in der Fahrgasse war nicht erfolgreich.
- Grünschnitt wies eine niedrige N-Mineralisierung auf.
- Nährstoffverlagerung führt zur P- und K-Anreicherung im Baumstreifen und zur Verarmung in der Fahrgasse.
- Die Menge an Biomasse, die in den Baumstreifen transferiert wird, ist abhängig vom Mulchgerät.
Zum Abschlussbericht des Projekts
Weitere Informationen: www.domino-coreorganic.eu

- Dr. Sabine Zikeli (Projektleitung), Birgit Lepp, Universität Hohenheim, Stuttgart
- PD Dr. Kurt Möller, LTZ Augustenberg, Rheinstetten-Forchheim
- Sascha Buchleither, Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee, Ravensburg
- Angelika Stülb-Vormbrock, FÖKO e.V., Weinsberg
Universität Hohenheim
Fruwirthstraße 14
70599 Stuttgart
Dr. Sabine Zikeli
E-Mail: sabine.zikeliuni-hohenheimde
Telefon: +49 (0)711 459-23248
05/2018 – 12/2021
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Letzte Aktualisierung 06.03.2023
