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Förderung der Biodiversität in Obstanlagen

Das europäische Forschungsprojekt „EcoOrchard“ entwickelte praxisnahe Maßnahmen und Methoden zur Förderung der funktionellen Agrobiodiversität (FAB) im ökologischen Apfelanbau. Hierbei wurden Interviews und Workshops mit Obstbäuerinnen und -bauern durchgeführt, ein Leitfaden zum Biodiversitäts-Monitoring erstellt sowie Freilandversuche mit Blühstreifen durchgeführt. Ebenso wurde ein Ratgeber zur Anlage von Blühstreifen in mehreren Sprachen veröffentlicht.
Die Ergebnisse des Forschungsprojektes im Erklärfilm
Empfehlungen für die Praxis
Aus dem Praxisprojekt lassen sich folgende Empfehlungen für mehr Biodiversität im Öko-Apfelanbau ableiten:
- Eingesäte, mehrjährige Blühstreifen als Fahrgassenbegrünung sind eine attraktive Methode, um die Biodiversität zu fördern.
- Vor der Aussaat der Blühpflanzen sollte der Boden mehrmals bearbeitet werden.
- Die Zusammensetzung der Saatgutmischung aus 20 % Blühpflanzen und 80 % Gräsern hat sich in der Praxis bewährt.
- Die Pflanzen sollten sich als Nahrungsquelle für Nützlinge eignen und praktikabel im Einsatz sein.
- Für einen optimalen Pflanzenauflauf sollten die Blühstreifen mehrmals im Jahr auf einer Höhe von 7 bis 10 cm gemäht werden. Dazu eignet sich ein Blühstreifenmulchgerät (Abildung 1).
- Die Biodiversität kann neben den Blühflächen zusätzlich gefördert werden. Dies ist beispielsweise durch Maßnahmen wie Stein- und Holzhaufen, Nisthilfen für Bienen und Hecken möglich. Eine Kombination der verschiedenen Maßnahmen ist optimal.
Eingesäte, mehrjährige Blühstreifen als Fahrgassenbegrünung bieten eine zusätzliche Nahrungsquelle und einen Rückzugsort für Nützlinge. Sie verringern außerdem Fruchtschäden.
Dr. Annette Herz

Informationen zum Projekt
Europaweit ist der Apfelanbau eine landschaftsdominierende Dauerkultur, deren Bewirtschaftungsform einen bedeutenden Effekt auf die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft hat. Neben der Bestäubung der Kulturpflanze sind weitere Elemente der so genannten Funktionellen (Agro-)Biodiversität (FAB) elementar wichtig für die Schädlingsregulierung im Kernobstanbau. So sind wirbellose Nützlinge als natürliche Gegenspieler von Schädlingen unverzichtbare Bausteine für den Pflanzenschutz im ökologischen Kernobstbau. Viele Obstbauern versuchen trotz teilweise unzureichender Informationen und den wirtschaftlichen und technischen Herausforderungen die funktionelle Biodiversität in ihren Anlagen zu erhöhen. "EcoOrchard" sollte dabei helfen, diese Informationslücken schließen.
Fragebogenaktion
Zu Beginn des Projekts wurden Interviews, Workshops und Fragebogenaktionen mit Obstbäuerinnen und -bauern und Anbauberaterinnen und -beratern aus verschiedenen Ländern durchgeführt. Die Befragungen ergaben, dass es deutliche länderspezifische Unterschiede gibt. In Deutschland werden bereits relativ viele Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität umgesetzt, in Lettland beispielsweise dagegen kaum.
Biodiversitäts-Monitoring
Obstbauern zeigten großes Interesse an Monitoring-Werkzeugen, um die Biodiversität auf der eigenen Anlage selbst erfassen und bewerten zu können.
Verschiedene Methoden wurden getestet und in einem Leitfaden zusammengefasst. Als praktikable Methoden stellten sich visuelle Kontrollen, Klopfproben, die Ausbringung von Wellpappestreifen sowie "Räuberfraßkarten" heraus (Abbildung 2). Sie werden im Leitfaden genauer erläutert. Darüber hinaus enthält der Leitfaden Formulare zur Dokumentation sowie Steckbriefe zu den Hauptnützlingen und ihrer Lebensweise.
Mehrjährige Blühstreifen
In Feldversuchen wurden in sieben Ländern mehrjährige Blühstreifen in den Fahrgassen eingesät. Diese sollten dadurch attraktiver für Nützlinge werden. Die Saatgutmischung wurde von Hand ausgebracht und bestand aus Blühpflanzen und Gräsern. Bei der Auswahl der Pflanzen wurde darauf geachtet, dass sie als Nahrungsquelle für Nützlinge dienen. Darüber hinaus wurden auch ihre Befahrbarkeit, Mulchtoleranz und die Verfügbarkeit als Regio-Saatgut berücksichtigt. Anschließend wurden die Bereiche mit Blühstreifen und angrenzende Kontrollflächen beobachtet. Dabei wurde die Entwicklung der Blühpflanzen sowie das Auftreten von Schädlingen verglichen. Die Untersuchungen zeigten, dass die Baumreihen mit Blühstreifen mehr Nützlinge und ein geringere Fruchtschäden aufwiesen.
Die Maßnahmen zur Erhaltung und zur Erweiterung der Biodiversität sind mit Mehrkosten verbunden. Eine konkrete Förderung könnte die Umsetzung dieser Maßnahmen erleichtern und beschleunigen.

- Prof. Lene Sigsgaard (Projektleitung), University of Copenhagen, Dänemark;
- Walloon Agricultural Research Center, Belgien
- Forschungsinstitut für biologischen Landbau, Schweiz
- Research Institute of Horticulture, Polen
- INRA Centre de Recherche - Ecodeveloppement, Frankreich
- Groupe de Recherche en Agriculture Biologique, Frankreich
- Julius Kühn-Institut, Deutschland
- Swedish University of Agricultural Sciences, Schweden
- Ecoadvice, Dänemark
- Forschungszentrum Laimburg, Südtirol
- Latvian Plant Protection Research Centre, Lettland
Julius Kühn-Institut, Institut für Biologischen Pflanzenschutz
Schwabenheimer Str. 101
69221 Dossenheim
Dr. Annette Herz
E-Mail: annette.herzjulius-kuehnde
Telefon: +49 (0)6151 407236
01/2015 - 02/2019
Die Inhalte dieser Webseite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt zum Download.
Letzte Aktualisierung 11.02.2022