Wir verwenden Cookies, um Ihnen die optimale Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen. Es werden für den Betrieb der Seite nur notwendige Cookies gesetzt. Details in unserer Datenschutzerklärung.
Mulchtechnik zur Transfermulchausbringung in Kartoffeln

VORAN (Verbesserung oekologischer Fruchtfolgen für ein regeneratives angepasstes Nährstoffmanagement) hatte zum Ziel, neben Kleegras ein weiteres boden-regenerierendes Fruchtfolgeelement zu konzipieren. Getestet wurde, wie sich Zwischenfrüchte, reduzierte Bodenbearbeitung und insbesondere Transfermulch auf den Marktfruchtanbau von Kartoffeln, Mais und Weizen auswirken. Die ökologische Intensivierung soll helfen, Erosion, Schadorganismen und Trockenstress zu vermindern.
Empfehlungen für die Praxis
Verfahren
Die Transfermulchapplikation soll den Boden um die Kartoffelpflanzen herum mit einer Schicht organischem Mulch abdecken. Das Verfahren sollte folgendermaßen durchgeführt werden.
- Boden entsprechend betriebsüblicher Praxis bearbeiten.
- Kartoffeln legen und pflegen, nach Bedarf zwei bis drei Hackdurchgänge durchführen.
- Geeignete Mulchmaterialien auf der Mulchgeberfläche auswählen und häckseln. Das C:N Verhältnis sollte etwa bei 20:1 liegen. Wicktriticale eignet sich sehr gut. 10 t TM/ha bzw. 50 t FM/ha ersetzen etwa 100 kg N aus Haarmehlpellets.
- Der Mulch lässt sich mittels eines Miststreuers gleichmäßig aufbringen. Für gute Bodenerwärmung, sollte das Mulchen erst kurz vor dem Auflaufen der Kartoffeln erfolgen, da sonst das Kartoffelwachstum gebremst wird. Trotzdem gilt: Lieber zu früh als zu spät.
- Bei vielen Wurzelunkräutern sollte nicht gemulcht werden, da Mulch diese nicht unterdrückt. Hackdurchgänge können nach dem Mulchen nicht mehr erfolgen.
Das C:N Verhältnis
Soll mit dem Mulch die Pflanze ernährt werden, ist das C:N Verhältnis entscheidend für den Erfolg des Systems. Da das Verhältnis von Jahr zu Jahr stark schwankt ist eine Analyse des Materials vorteilhaft, um die Düngewirkung abzuschätzen.
Eignung von Mulchmaterialien und ihr C:N Verhältnis
| C:N | Struktur | Kosten | |
|---|---|---|---|
| Kleegras | 12-27 | +- | +- |
| Wicktriticale | 15-40 | +++ | +- |
| Stroh | 60-120 | + | + |
| Kleegrassilage | 11-25 | ++ | - |
"Beginnen Sie auf einer kleinen Fläche, um Erfahrungen mit dem System zu sammeln bevor Sie größere Flächen umstellen. So können Sie das Mulchsystem langsam aber erfolgreich in Ihren Betrieb integrieren" (Msc. Stephan Junge)
Informationen zum Projekt
Herkömmliche Kartoffelanbauverfahren sind stark humuszehrend und gehen meist mit einem hohen Erosionsrisiko einher. Transfermulch soll helfen, das Bodenleben zu ernähren und Erosion zu vermeiden. Die Ideen für das System stammen aus der Praxis. Besonders interessant kann es für viehlose Betriebe mittlerer Größe sein, um deren Nährstoffkreisläufe zu schließen. Auch für Direktvermarkter und Direktvermarkterinnen bietet sich das System an. Vor allem die Ausbringung stellt Landwirte und Landwirtinnen noch vor Herausforderungen. Die Technik zur Ausbringung sollte an die Betriebsgröße und Verfahrenskette angepasst sein, um auch wirtschaftlich erfolgreich zu sein.
Materialien
Bei der Materialwahl empfiehlt es sich, eine Mischung aus strukturgebenden und düngenden Anteilen zu verwenden. Der Strukturanteil sorgt für eine langfristigere Bedeckung. Der Feinanteil von Blättern sowie nicht verholzten Stängeln ernährt die Pflanze und den Boden. Ideal ist ein C:N Verhältnis von 20:1.
Häcksellänge
Die ideale Häcksellänge von fünf bis sieben Zentimeter lässt sich mit einem Kurzschnittladewagen oder einem selbstfahrenden Feldhäcksler erreichen. Bei dieser Länge verteilt sich das Material optimal auf den Dämmen und liegt flach auf der Erde. Außerdem können die Mulchbestandteile so zügig durch das Bodenleben umgesetzt werden.
Ausbringung
Bei der Ausbringung ist es entscheidend, darauf zu achten, dass der Boden gleichmäßig bedeckt ist und keine Lücken oder Haufen entstehen. Eine ungleichmäßige Verteilung des Mulches behindert das Wachstum der Kartoffel und schwächt das Potenzial der Unkrautunterdrückung.
Wirtschaftlichkeit
Der regenerative Kartoffelanbau mit Transfermulch kann unter bestimmten Bedingungen vergleichbare oder sogar bessere betriebswirtschaftliche Ergebnisse erzielen als der Anbau mit Zukaufdüngern. Bei der Wahl des Mulch- ausbringungsverfahrens ist darauf zu achten, dass der Mulcher kaum Fahrspuren hinterlässt, um Flächenverluste zu vermeiden. Betriebe mit Wiederkäuerhaltung müssen sicherstellen, dass genügend Feldarbeitstage für die Raufutterernte vorhanden sind.
Insbesondere für Betriebe, mit einer Kartoffelanbaufläche von bis zu zwei Hektar ist das regenerative System wirtschaftlich vorteilhaft. Vorausgesetzt, es wird eine kleine Streutechnik mit schmaler Spurweite eingesetzt. Ob sich das Mulchen rentiert, hängt auch von der Entfernung zur Mulchgeberfläche ab.
Die vorhandene Technik ist für die Wahl des Verfahrens grundsätzlich wenig entscheidend. Nicht vorhandene Maschinen können geliehen oder durch Lohnunternehmen eingesetzt werden. Technik mit schmaler Spurweite kann gebraucht zu günstigen Preisen erworben werden.
- Stephan Junge, Simeon Leisch, Deborah Henzel, Christiane Weiler, Prof. Dr. Maria R. Finckh (Projektleitung), Universität Kassel, Fachgebiet Ökologischer Pflanzenschutz
- Ulf Jäckel (Projektleitung), Stefanie Pencs SMEKUL Sachsen
Universität Kassel, Fachgebiet Ökologischer Pflanzenschutz
Nordbahnhofstraße 1a
37213 Witzenhausen
Prof. Dr. Maria Finckh
E-Mail: mfinckhuni-kasselde
Telefon: 05 542 / 981 562
Projektlaufzeit: 04/2019 - 11/2023
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 16.01.2025
