Wir verwenden Cookies, um Ihnen die optimale Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen. Es werden für den Betrieb der Seite nur notwendige Cookies gesetzt. Details in unserer Datenschutzerklärung.
Dos & Don’ts beim Nützlingseinsatz gegen die Tomatenrostmilbe

Im Kretschab-Projekt wurde untersucht, mit welchen Methoden die Tomatenrostmilbe (TRM) im ökologischen Anbau erfolgreich kontrolliert werden kann. Dazu wurden Versuche zur Klärung grundsätzlicher Fragestellungen in Versuchsstationen angelegt. Außerdem fanden Versuche und Erhebungen auf Praxisbetrieben statt. Der Schwerpunkt lag auf dem Nützlingseinsatz. Es wurden außerdem Fragen zu Früherkennung, Sortenwahl etc. bearbeitet.
Empfehlungen für die Praxis
Wirksame Nützlinge auswählen
Die derzeit kommerziell erhältlichen Raubmilben wie Amblyseius cucumeris, A. andersonii, A. swirskii, Neoseiulus californicus oder Transeius montdorensis bieten als kurative Anwendung keine ausreichende Bekämpfung der Tomatenrostmilbe. Ein vorbeugender Einsatz dieser Arten ist nicht zuverlässig möglich.
Die beiden Raubmilben Pronematus ubiquitus und Homeopronematus anconai spp. können dagegen die Tomatenrostmilbe effektiv kontrollieren.
Nützlinge präventiv einsetzen
Damit Pronematus spp. und Homeopronematus spp. als Gegenspieler zur Tomatenrostmilbe ausreichend starke Populationen aufbauen können, müssen sie vorbeugend eingesetzt werden. Diese beiden Möglichkeiten haben sich als wirkungsvoll erwiesen:
- Jungpflanzen mit Streuware abstreuen
- Streuware direkt nach dem Anbinden im Bestand ausbringen (Ergebnisse von Dr. Ute Perkons, LWK NRW (Partner ohne Förderung))
Nützlinge füttern
Beide Raubmilben müssen für einen zuverlässigen Populationsaufbau gefüttert werden. Dann können sie die Tomatenrostmilbe direkt zum Zeitpunkt der Massenvermehrung effektiv unterdrücken. Optimal ist eine regelmäßige Fütterung im Abstand von 14 Tagen mit 500 g/ha Thypha-Pollen. Auch ein vierwöchiger Rhythmus mit der doppelten Menge ist möglich. Wichtig ist, unabhängig vom Fütterungsintervall nach starker Taubildung zeitnah nachzufüttern, denn der Pollen verdirbt bei hoher Feuchtigkeit schnell.
"Wenn ein paar einfache Leitlinien beachtet werden, können Nützlinge präventiv sehr effizient gegen die Tomatenrostmilbe eingesetzt werden." (Nikola Lenz, Demeter Beratung)
Informationen zum Projekt
Der Nützlingseinsatz gegen die Tomatenrostmilbe ist vor allem für Betriebe interessant und relevant, die bereits Nützlinge gegen andere Schädlinge einsetzen. Denn sie sind stark eingeschränkt beim Einsatz von Pflanzenschutz- mitteln, da diese Nützlinge schädigen können. Auch die beiden heimischen Raubmilbenarten reagieren sehr empfindlich auf Schwefel und andere Pflanzenschutzmittel. Ihr Einsatz kommt nur für Bestände in Frage, in denen keine Pflanzenschutzmittel verwendet werden.
Betriebe, die Schwefel gegen Echten Mehltau spritzen, nutzen den Nebeneffekt zur Bekämpfung der Tomatenrostmilbe. In der Regel ist dafür mehr als eine Anwendung notwendig.
Typische Fehlerquellen beim Nützlingseinsatz vermeiden
- Pronematus als Depot ausbringen: Das reduziert den Arbeitsaufwand, aber die Nützlingspopulation entwickelt sich inhomogen, wenn als Depotabstand mehr als jeder 5. Trieb gewählt wird. Eine effektive Kontrolle der Tomatenrostmilbe ist dann nicht sicher möglich.
- Pronematus in zu geringer Menge oder zu spät einsetzen: Für eine ausreichende Populationsentwicklung müssen die Nützlinge zu Kulturbeginn eingesetzt werden. Optimal ist es, die Pflanzen direkt nach der Pflanzung zweimal im 14-tägigen Abstand mit 50 Tieren/Trieb abzustreuen. Beim Verblasen muss die Menge um circa 50 Prozent erhöht werden. Alternativ können auch Jungpflanzen mit den Nützlingen belegt werden. (Ergebnisse von Dr. Ute Perkons, LWK NRW (Partner ohne Förderung))
- Kräftiges Entblättern: Dadurch wird die Nützlingspopulation geschwächt. Entfernte Blätter sollten außerdem mehrere Tage mit Kontakt zum Stängel im Bestand bleiben.
- Ganz auf Fütterung verzichten: In den Fütterungsversuchen hat sich gezeigt, dass die Fütterung mit Pollen für eine Populationsentwicklung in kleinstrukturierten, vielfältigen Landschaften theoretisch auf eine vierwöchige Fütterung reduziert werden kann. (Ergebnisse von Dr. Ute Perkons, LWK NRW (Partner ohne Förderung)) Für einen zuverlässigen Populationsaufbau sollte jedoch nicht vollständig auf eine Fütterung verzichtet werden.
- Klimasteuerung nicht an den Nützlingseinsatz anpassen: Die Tagestemperaturen sollten anhaltend zwischen 15 und 40 °C liegen, bei einer relativen Luftfeuchte zwischen 35 und 85 Prozent. Die Nachttemperatur sollte anhaltend unter 23 °C liegen, bei einer relativen Luftfeuchte unter 90 Prozent. Folgende Maßnahmen können die Nachtluftfeuchte senken:
- Stoßlüften vor Sonnenuntergang
- Lüftungsspalt bei Nacht
- Entfeuchtung über Heizung
Außerdem sollte nicht überkopf beregnet werden. - Zum Abschlussbericht des Projekts
- Weitere Informationen
- Nikola Lenz, Paul Lukhaub, Demeter Beratung e.V., Darmstadt
- Dr. Annegret Pflugfelder, Ann-Kathrin Bessai, Bioland Praxisforschung GmbH, Mainz
- Heike Sauer, Sabine Reinisch, LVG Heidelberg
- Dr. Christine Dieckhoff, Christian Posch, Lukas Bächlin, LTZ Augustenberg
- Peter Detzel, Albert Ifland, Franziska Kleinefenn, NüPA GmbH, Karlsruhe
- Dr. Gabriele Köhler, Susann Lieber, Erik Knauf, Antje Aurich, LfULG
- Dr. Elias Böckmann, JKI, Braunschweig
Bioland Praxisforschung GmbH
Kaiserstraße 18
55116 Mainz
Ann-Kathrin Bessai
E-Mail: Ann-Kathrin.Bessaibiolandde
Telefon: 06 131 / 23 979 24
Laufzeit 12/2022 – 12/2025
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 19.06.2026
