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Praxiserprobte Überwachung von Möhrenfliegen (Chamaepsila rosae)

Das Projekt SwatOpti wurde durchgeführt, um Betrieben eine sichere Entscheidungshilfe für die Bekämpfung der Möhrenfliege zur Verfügung zu stellen. Grundlage dafür ist eine funktionierende Überwachungsmethode, die das Verhalten der Fliegen berücksichtigt. Die gängige Methode ist das Aufstellen von gelb-orangen Klebefallen. Im Rahmen des Projektes wurde auf Praxisflächen das bisherige Wissen über die konkrete Fallenpositionierung unter Berücksichtigung der Bewegung der Fliegen zeitlich und räumlich überprüft.
Empfehlungen für die Praxis
Vorjahresflächen in Monitoring einbeziehen
- Erste Fallen ab KW 16 auf Vorjahresfläche aufstellen, da die Fliegen hier aus den überwinterten Puppen schlüpfen.
- Dabei Möhrenflächen, aber auch Sellerie und Pastinake berücksichtigen.
- Nach Detektion des Schlupfbeginns Falle wieder abbauen.
- Ab KW 17 Fallen auf aktuellen Anbauflächen aufstellen.
Spezielle Möhrenfliegenfallen benutzen
- Vor Verwendung eventuell vorhandene Schutzfolien entfernen
- Gelb-orange Fallen sind gängig und zu bevorzugen.
- Neue, signalorange Klebetafeln scheinen denselben Aktivitätszeitraum abzubilden, allerdings weniger fängig zu sein.
- Achtung: Bei Fallentypwechsel sind die Daten zwischen den Jahren nicht mehr unbedingt vergleichbar.
- Das Erkennen der Möhrenfliegen auf Klebetafeln trainieren.
Positionierung der Klebetafeln auf dem Feld
- 3 Fallen pro Feld aufstellen: 1,5 m Abstand zum Feldrand, 10 bis 30 m zwischen den Fallen
- Klebefallen im 45° Winkel mit Klebeseite nach unten in Richtung des Feldrandes 10 cm über Möhrenlaub platzieren
- quer zu möglicher Einflugrichtung aufs Feld aufstellen
- alternativ im Bereich von Hecken- und Saumstrukturen
“Für aussagekräftige Ergebnisse muss die Überwachung dort stattfinden, wo die Möhrenfliege aktiv ist. Das klingt einfacher, als es in der Praxis tatsächlich ist.” (Ulrike Weier, LWK Niedersachsen)
Informationen zum Projekt
Die Larven der Möhrenfliegen können große Schäden an Möhren verursachen und die Qualität und Vermarktbarkeit der Möhren beeinträchtigen. Je nach Kultivierungs-form und Verwendungszweck sind die tolerierbaren Schäden unterschiedlich hoch. Einnetzen und/oder der Einsatz von Insektiziden sind je nach Anbauform (ökologisch oder konventionell) mögliche direkte Bekämpfungs-maßnahmen. Einheitlich anwendbare Bekämpfungs- und Schadschwellen gibt es deshalb nicht. Bei der Überwachung spielen die Vorjahresflächen, alternative Wirtskulturen, die Bestandshygiene und die richtige Monitoringmethode eine wichtige Rolle. Vor dem Aufstellen der Fallen muss klar sein, zu welchem Zweck das Monitoring durchgeführt werden soll, da die Fallen für ein optimales Ergebnis unterschiedlich platziert werden müssen.

Erfassung des ersten Schlupfes auf Vorjahresflächen
Die Möhrenfliegen schlüpfen aus den Puppen, die auf den Anbauflächen des Vorjahres überwintert haben. Die ersten Fallen sollten deshalb ab Mitte April hier platziert werden, um den Erstschlupf zu erfassen, der im späten April bis Anfang Mai zu erwarten ist. Die geschlüpften Fliegen migrieren von den Flächen, wenn sie dort keine Wirtspflanzen vorfinden. Aber Achtung: Sollten die Kulturen noch nicht vollständig geräumt sein, bleiben die Fliegen auf den Flächen. Erst die nach dem Räumen der Kultur geschlüpfte Generation der Fliegen verlässt die Flächen.
Erfassung des Zufluges
Der Zuflug in die diesjährigen Flächen kann je nach Entfernung zur Vorjahresfläche bis zu 7 Tage nach dem Schlupf erwartet werden, sofern die Möhren bereits aufgelaufen sind. Ein signifikanter Einfluss der Möhrensorte und des Entwicklungsstadiums auf die Attraktivität gegenüber den Fliegen konnte in den Feldversuchen nicht nachgewiesen werden.
Aktivitätsmonitoring während der Saison
Die Aktivität der adulten Fliegen ist dort am höchsten, wo sie Nahrung und Schatten finden. Deswegen ziehen sich die Fliegen in der Regel immer wieder in den Feldrandbereich zurück. Auf den Feldern nimmt der Anteil befallener Möhren deshalb mit zunehmender Entfernung zum Feldrand ab.
Feldhygiene beeinflusst Aktivität
Ein anderes Aktivitätsmuster ohne Gradienten kann beob-achtet werden, wenn flächendeckend dichte und blühende Beikräuter auftreten oder das Ausbringen von mit Fliegenpuppen belastetem Waschwasser oder Ernteresten erfolgt.
Neue Fallenfarbe beeinflusst Fängigkeit
Monitoringfallen sind kommerziell erhältlich. Bisher waren gelb-orange Fallen gängig. Da die Fallenfarbe nicht standardisiert ist, kann es produktionstechnisch zu Farbabweichungen kommen, die firmenseitig nicht getestet oder kommuniziert werden. Die momentan verfügbaren, eher signal-organgen Fallen scheinen in unseren Tests zwar denselben Aktivitätszeitraum zu detektieren, aber insgesamt weniger fängig zu sein. Bei einer Farbänderung sollten die Fallen deshalb mindestens 1 Jahr vergleichend getestet werden.
- Dr. Quentin Schorpp, Dr. Antonio Josè Pèrez Sànchez, Catharina Riggers, Alice Knabe, JKI, Braunschweig
- Dr. Alexandra Wichura, Arne Römer, LWK Niedersachsen, Hannover
- Dr. Paolo Racca, Dr. Benno Kleinhenz, Juliane Schmitt, Manuela Schieler, ZEPP, Bad Kreuznach
- Dr. Manfred Röhrig, ISIP, Bad Kreuznach
Julius Kühn-Institut
Messeweg 11/12
38104 Braunschweig
Dr. Quentin Schorpp
E-Mail: quentin.schorppjulius-kuehnde
Telefon 03 946 / 47 77 32
Projektlaufzeit: 03/2022 - 10/2025
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 17.06.2026

