Wir verwenden Cookies, um Ihnen die optimale Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen. Es werden für den Betrieb der Seite nur notwendige Cookies gesetzt. Details in unserer Datenschutzerklärung.
Raubmilben im Praxiseinsatz gegen die Tomatenrostmilbe

Im Kretschab-Projekt wurde untersucht, mit welchen Methoden die Tomatenrostmilbe (TRM) im ökologischen Anbau erfolgreich kontrolliert werden kann. Dazu wurden Versuche zur Klärung grundsätzlicher Fragestellungen in Versuchsstationen angelegt. Außerdem fanden Versuche und Erhebungen auf Praxisbetrieben statt. Der Schwerpunkt lag auf dem Nützlingseinsatz. Es wurden außerdem Fragen zu Früherkennung, Sortenwahl etc. bearbeitet.
Empfehlungen für die Praxis
Wirksame Raubmilben
Raubmilben der Gattungen Homeopronematus und Pronematus sind wirksame Nützlinge für den Einsatz gegen die Tomatenrostmilbe. Beide Nützlinge sind in Deutschland verbreitet und ernähren sich unter anderem von Pollen, Pilzen, Milbeneiern und freilebenden Gallmilben wie der TRM. Derzeit (Dezember 2025) sind beide Raubmilben nicht kommerziell verfügbar.
Raubmilben praxistauglich ausbringen
Versuche mit beiden Raubmilben haben gezeigt, dass sie nur bei vorbeugendem Einsatz sicher gegen die TRM wirksam sind. Folgendes Vorgehen kann bei einer möglichen zukünftigen kommerziellen Verfügbarkeit von Streuware für die Ausbringung in Praxisbetrieben empfohlen werden:
- Streuung auf jeden Tomatentrieb für einen stabilen Populationsaufbau der Raubmilben
- Ausbringung auf Jungpflanzen erhöht die Wirtschaftlichkeit (Ergebnisse von Dr. Ute Perkons, LWK NRW (Partner ohne Förderung))
- Streuen im Laufschritt ist mit etwas Übung möglich
- Verblasen ist möglich, am Besten mit einem für die Ausbringung von Eiern tauglichen Gebläse mit Beidosierer
Populationsaufbau fördern
Um eine stabile und damit gegen die TRM wirksame Raubmilbenpopulation aufzubauen, sind folgende Maßnahmen nötig:
- Regelmäßige Pollenfütterung
- Angepasste Klimasteuerung
- Angepasste Entblätterung Details dazu sind im “Merkblatt Dos & Don’ts” zu finden.
Natürliche Ansiedlung fördern
Eine natürliche Ansiedlung ist möglich, bietet aber keinen garantierten Schutz vor der TRM. Dennoch ist eine Förderung über eine vielfältige Umgebung sinnvoll.
"Der Raubmilbeneinsatz muss präventiv erfolgen. Dann sind – je nach Ausbringungsmethode - in 6 bis maximal 10 Wochen wirksame Bestände etabliert. Ein kurativer Raubmilbeneinsatz hilft nicht bei der TRM-Bekämpfung.“ (Albert Ifland, NüPA)
Informationen zum Projekt
Der Einsatz der beiden Raubmilben P. ubiquitus und H. anconai gegen die Tomatenrostmilbe ist für die Praxis sehr interessant. Auch die Kombination der beiden Arten scheint möglich. So hat P. ubiquitus eine bessere Fraßleistung, während H. anconai auch die obersten Pflanzenteile besiedelt.
In Praxisversuchen in Süddeutschland wurde der Einsatz von P. ubiquitus im Gewächshausanbau getestet und optimiert. In Sachsen wurde das natürliche Vorkommen von H. anconai nachgewiesen. Dort wurde auch eine Einwanderung in Tomatenbestände beobachtet. Beide Raubmilben sind optisch sehr schwer voneinander zu unterscheiden. Eine Bestimmung ist in der Praxis nicht möglich.
Die Ausbringung
Die Ausbringung von P. ubiquitus und ihre Fütterung kann zeit- und kosteneffizient gestaltet werden. Dazu gibt es mehrere Verfahren, durch die sich eine Raubmilbenpopulation zuverlässig etablieren lässt: Standard ist das Abstreuen jedes Triebs mit der Streuware und eine Pollenfütterung alle zwei Wochen. Das Verblasen der Raubmilben(eier) spart Zeit. Aber es müssen circa 50 Prozent mehr Tiere eingesetzt werden als beim Streuen, um Verluste auszugleichen.
Durch eine Depotausbringung können vor allem weniger Erfahrene Zeit sparen. Mindestens jeder 5. Trieb muss bestreut werden. Allerdings baut sich die Raubmilbenpopulation so weniger homogen auf. Die Wirksamkeit einer Ausbringung von P. ubiquitus auf der Jungpflanze mit dreimaliger Pollenfütterung und einem vierwöchigen Fütterungsintervall im Bestand war im Versuch gegeben. (Ergebnisse von Dr. Ute Perkons, LWK NRW (Partner ohne Förderung))
Ein 4-wöchiger Fütterungsrhythmus spart Zeit und Pollen, kann aber nach starker Kondensation zum Problem werden.
Nützlingsquartiere bereitstellen
Auch bei Pronematus, aber vor allem bei Homeopronematus wurde eine natürliche Einwanderung in Tomatenbestände beobachtet. Um diese zu fördern, können Pflanzen als Sommer- und Winterquartiere im Umfeld der Häuser/Tunnel angeboten werden. In beiden Jahreszeiten bevorzugt Homeopronematus nach den bisherigen Beobachtungen behaarte Blattunterseiten. Blatthaare, auch die der Tomate, scheinen die Raubmilben nicht in ihrer Mobilität zu behindern, sondern sind ein attraktives Habitat. Ein System aus Spitzahorn (Acer platanoides), Holunder (Sambucus nigra) und Gemeiner Haselnuss (Corylus avellana) fördert das Auftreten der Raubmilben.
In städtischer Umgebung sind Ungarischer Flieder (Syringia josikae), Zierapfel und Feige von Bedeutung. Im August/September spielten auch Holunder, Haselnuss, Kiwi und Jungfernrebe eine Rolle.
Die Überwinterung erfolgt an Knospenschuppen und Hüllspelzen von zum Beispiel Ungarischem Flieder, Dreispitziger Jungfernrebe und Feige.
- Nikola Lenz, Paul Lukhaub, Demeter Beratung e.V., Darmstadt
- Dr. Annegret Pflugfelder, Ann-Kathrin Bessai, Bioland Praxisforschung GmbH, Mainz
- Heike Sauer, Sabine Reinisch, LVG Heidelberg
- Dr. Christine Dieckhoff, Christian Posch, Lukas Bächlin, LTZ Augustenberg
- Peter Detzel, Albert Ifland, Franziska Kleinefenn, NüPA GmbH, Karlsruhe
- Dr. Gabriele Köhler, Susann Lieber, Erik Knauf, Antje Aurich, LfULG
- Dr. Elias Böckmann, JKI, Braunschweig
Bioland Praxisforschung GmbH
Kaiserstraße 18
55116 Mainz
Ann-Kathrin Bessai
E-Mail: Ann-Kathrin.Bessaibiolandde
Telefon: 06 131 / 23 979 24
Laufzeit 12/2022 – 12/2025
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 19.06.2026

