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Hoftorbilanzen zur Analyse der Nährstoffversorgung im ökologischen Gemüsebau

Wie Verfahren des Nährstoffmanagements im Öko-Gemüsebau analysiert und optimiert werden können, wurde im Forschungsprojekt "Nutri@ÖkoGemüse" untersucht. Für eine Reihe von Betrieben ermittelten und bewerten die Forschenden dazu Hoftorbilanzen für die Hauptnährstoffe N, P, K.
Empfehlungen für die Praxis
Nährstoffe und Nachhaltigkeit
Nachhaltige Düngung im ökologischen Gemüsebau bedeutet neben verschiedenen anderen Kriterien den weitgehenden Ausgleich zwischen zu- und abgeführten Nährstoffen. Verluste durch zum Beispiel Erosion oder Auswaschung sind zu vermeiden. Recycling von Nährstoffen durch Komposte, Gründüngung oder Ähnliches sind so weit wie möglich anzustreben.
Nährstoffe und Pflanzenwachstum
Der zweite Aspekt im Düngemanagement ist eine ausreichende und zeitlich abgestimmte Verfügbarkeit der Nährstoffe für das angestrebte Pflanzenwachstum.
Nährstoffbilanzen
Betriebliche Nährstoffbilanzen als Hoftorbilanz sind ein gutes Instrument zur Überprüfung der Düngungspraxis. Mehrjährige Daten zeigen, wie sich der Nährstoffstatus entwickelt. In einzelnen Jahren können die Ergebnisse durch spezifische Düngungsmaßnahmen oder Ertragsveränderungen überlagert werden. Auch der Anteil der N2-Fixierung an der N-Versorgung lässt sich beurteilen und gibt Hinweise, ob N-haltige Düngemittel ergänzt werden müssen. Wichtig für die realistische Beurteilung ist die Verwendung der betriebseigenen Erträge. Bei Zahlen aus Datensammlungen können die Ergebnisse über- oder unterschätzt werden und zu falschen Schlüssen führen.
Hoftorbilanzen als Beurteilungsinstrument helfen, den Überblick der Düngeeffizienz auf ökologischen Gemüsebetrieben zu behalten" Sophie Stein, Projektmitarbeiterin
Informationen zum Projekt
Zufuhr und Abgabe von Pflanzennährstoffen sind im ökologischen Gemüsebau vergleichsweise hoch, bedingt durch einen hohen Nährstoffbedarf, hohe Erntemengen und dem Verkauf als frische Pflanze. Eine Tierhaltung für den betriebsinternen Nährstoffkreislauf ist in den meisten Betrieben nicht vorhanden. Der Nährstoffausgleich, der für eine langfristige Nachhaltigkeit notwendig ist, muss durch N2-Fixierung und Düngerzukauf erfolgen. Die meisten organischen Wirtschaftsdünger sind Mehrnährstoffdünger und stellen für den Ausgleich aller Nährstoffe eine besondere Herausforderung dar. Mit einer Nährstoffbilanz über mehrere Jahre kann die Düngungspraxis hinsichtlich der nachhaltigen Nährstoffversorgung geprüft und bewertet werden.

Befragung von Gemüsebaubetrieben und Berechnung der Nährstoffmengen
Im Rahmen einer Befragung wurden in zwölf Betrieben mit Freiland-Gemüsebau aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern alle notwendigen Daten zur Berechnung von Hoftorbilanzen ermittelt (Düngung, biologische N2-Fixierung und Erträge). Zur Umrechnung von Mengenangaben in Volumen oder Anzahl (Kisten, Stück) wurde eine Standardtabelle erstellt. Angaben zur Düngung, Gründüngung und sonstigen Kulturen wurden ergänzend erfasst. Die Nährstoffmengen von N, P, K in der Düngung und im Gemüse wurden auf der Basis von Datensammlungen berechnet.
Nährstoffbilanzen
Die Hoftorbilanzen für die Hauptnährstoffe N, P, K zeigten über alle Betriebe hinweg ein unterschiedliches Niveau. Für Stickstoff lag das mittlere Niveau bei 67,5 kg pro ha und Jahr, für Phosphor bei 2,06 kg pro ha und Jahr und für Kalium bei 0,26 kg pro ha und Jahr. Die Spannen vom niedrigsten Wert zum höchsten Wert waren erheblich: -13 bis +177 kg N, -11 bis +14 kg P und -87 bis +61 kg K pro ha und Jahr.
Interpretation der Ergebnisse
Betriebe müssen in Zukunft auch wegen der neuen Bestimmungen in der Düngeverordnung (DüV) nicht nur N im Blick behalten, sondern auch viel stärker die Nährstoffflüsse von P und K berücksichtigen. Die Ergebnisse zeigen:
- Stickstoff
- Die ermittelten hohen N-Salden zeigen die Bedeutung der N-Düngung für die Ertragsbildung (Hauptfokus bei Düngeberechnung)
- Kurzfristig verfügbarer Stickstoff durch höhere Mengen Handelsdünger
- Ermittlung der N-Versorgung aus Boden, Dünger und N2-Fixierung ist eine Herausforderung
- Phosphor
- Ausmaß der N-Düngung mit Wirtschaftsdüngern entscheidet die P-Versorgung
- Kalium
- Abfuhr wird häufig unterschätzt
- negative Bilanz
- K aus Wirtschaftsdüngern mit mineralischem K für Bilanzausgleich ergänzen

- Dr. Hans Jürgen Reents, Lehrstuhl für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausysteme, Technische Universität München, Weihenstephan-Freising
- Sophie Stein MSc, Universität Hohenheim, Fakultät für Agrarwissenschaften, Zentrum Ökologischer Landbau Universität Hohenheim
Technische Universität München
Lehrstuhl für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausysteme
Liesel Beckmannstr. 2
85354 Freising
Dr. Hans Jürgen Reents
E-Mail: Hj.reentstumde
Telefon: +49(0)8161/71-3778
03/2019 - 12/2022
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Letzte Aktualisierung 11.06.2024

