Oenologische Weinstilistik von PIWIs

Die Weinerzeugung von teilresistenten pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (PIWIs) dient der Reduzierung des Eintrages von Pflanzenschutzmitteln im ökologischen und integrierten Weinbau. Ziel des Projektes war die Entwicklung von Weinstilen aus PIWI-Trauben, die den Präferenzen europäischer Verbraucher entsprechen, aber auch Anklang bei Winzerbetrieben und Weinvermarktern finden. Dies war notwendig, da bisher keine bekannte und nachvollziehbare Stilistik für die neuen Rebsorten vorlag und kommuniziert ist.

Empfehlungen für die Praxis

Weißweinbereitung und Stilistik

  • Während eine frühe Lese aufgrund untypischer Alterungsnoten von Verbrauchern erkannt und abgelehnt werden, führte eine späte Lese zu dichten Weinen.
  • Calardis Blanc und Sauvignac sind prädestiniert für Sektgrundweine.
  • Maischestandzeiten führen zu fülligeren und qualitativ bevorzugten Weinen bei Experten und Verbrauchern.
  • Eichenholzchips geben einfachen Weinen mehr Struktur und verschlanken kräftige Weine mit hoher Aromendichte.
  • Cuvées verschiedener Ausbaustile führen zu komplexeren Weinen ebenso wie Cuvées verschiedener Rebsorten.

Rosé-Weine und -Stilistik

  • Gute Eignung von PIWIs aufgrund hoher Säurewerte.
  • Cuvées liefern Fruchtvielfalt und balanciertes Mundgefühl.
  • Farbintensive Sorten (Zum Beispiel Satin Noir, Laurot, Cabernet Cortis liefern mit einer Ganz-Trauben-Pressung einen dezent gefärbten Rosé.
  • Regent ist ideal für eine Provencé Stilistik.
  • Premium Rosé: Thiole freisetzende Hefestämme bei Cabernet Sorten – Ausbau wie ein Sauvignon Blanc.
  • Premium-Rosé II: Ausbau wie ein Burgunder im Barrique – Batônage, Malokatische Gärung, gegebenenfalls Säuerung.

Rotweinbereitung und Stilistik

  • Eine frühe Lese und lange Maischegärzeiten sind kontraproduktiv.
  • Maischeerhitzung für mehr Frucht und weniger Tannine kommt in bestimmten Verbrauchsegmenten sehr gut an.
  • Saftentzug erhöht Dichte und Konzentration, kann aber auch zu hohen pH-Werten und “anstrengenden” Weinen führen.
  • Cuvées sind die Kinderstube der PIWI-Sorten, bis erwachsene, eigenständige Rebsortenstile etabliert sind.
  • Kräftige, manchmal kräuterige Aromatik wird sehr gut durch Holzeinsatz eingebunden und abgemildert.
  • Immer Reduktone bestimmen, um zu geringe, freie Gehalte an SO2 zu vermeiden und unerwünschte oxidative Noten.

Europäische Verbraucher und Bio-Winzer beurteilten die PIWI-Weine gleich gut, häufiger sogar besser. Es bedurfte aber einer Lernkurve, bis wir den Geschmack der Verbraucher trafen. (Prof. Dr. Ulrich Fischer, DLR)


Informationen zum Projekt

Letzte Aktualisierung 04.11.2026

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