Status quo des Pflanzenschutz im Weinbau

Mit VITIFIT begann 2019 ein umfangreiches Praxisforschungsprojekt im deutschen Weinbau. Neben den Untersuchungen zur Rebenperonospora (Falscher Mehltau) und ihrer Abwehr entstanden im Projekt Netzwerke, die den Wissens- und Technologietransfer zwischen Praxis und Forschung fördern. Im Jahr 2020 wurde von den Anbauverbänden eine große Umfrage zum Status quo im Pflanzenschutz durchgeführt, die sich an alle ökologisch zertifizierten Weingüter Deutschlands richtete.

Empfehlungen für die Praxis

Ausbrechen, Entblättern, Gipfeln

In jedem zweiten Weingut werden die Triebe im Frühjahr einmal ausgebrochen, 30 Prozent der Betriebe brechen zweimal und öfter aus, 20 Prozent gar nicht. Die Entfernung der Wasserschosse ist essentiell, denn die Triebe am Stamm dienen den Oosporen nach einer Bodeninfektion als Trittleiter in die Traubenzone. In den meisten Weingütern werden die Reben zur Zeit der Blüte einmal entblättert. Die meisten Weingüter gipfeln einmal zur Fruchtentwicklung. In fast der Hälfte der Betriebe gibt es noch einen späten Laubschnitt kurz vor der Lese. In Jahren mit hohem Infektionsdruck von Falschem Mehltau ist ein zusätzlicher später Laubschnitt wichtig, weil der Pflanzenschutz zu diesem Zeitpunkt eingestellt wird und das frische Laub ungeschützt ist.

Applikationstechnik

Fast die Hälfte der befragten Betriebe verwenden eine Pflanzenschutzspritze mit Axialgebläse. Recyclingspritzen sind auch häufig vertreten und haben den enormen Vorteil, gerade zu Vegetationsbeginn Pflanzenschutzmittel einzusparen. Knapp 70 Prozent der befragten Betriebe verwenden eine Injektordüse. Injektordüsen bilden im Vergleich zu den Hohlkegeldüsen größere Tropfen und verursachen dadurch weniger Abdrift.

Einsparungen durch PIWI-Rebsorten

Bei der Anwendungshäufigkeit ist klar zu erkennen, dass pilzwiderstandsfähige Rebsorten (PIWIs) mit deutlich weniger Applikationen auskommen als traditionelle Rebsorten. 70 Prozent der Betriebe, die PIWIs kultivieren, kommen mit weniger als fünf Anwendungen aus. Bei den traditionellen Rebsorten pendelt sich die Zahl der Anwendungen in Durchschnittsjahren zwischen 10 bis mehr als 12 ein. Die Untersuchungen auf den ökologischen Praxisbetrieben zeigen, dass der Kupferverbrauch mit PIWI-Reben um mehr als 50 Prozent reduziert werden kann.


“Laubwandmanagement und Applikationstechnik sind im Pflanzenschutz die wesentlichen Stellschrauben, wenn es um die Vorbeugung und Abwehr der Rebenperonospora geht.” (Olympia Samara, Koordinatorin Praxisforschungsnetzwerk)


Informationen zum Projekt

Letzte Aktualisierung 15.09.2026

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